Schüler und Lehrer als Lebensretter

Mund auf – Stäbchen rein – Spender sein: Mit diesem Slogan möchte die Deutsche Gesellschaft für Knochenmarkspende, kurz DKMS, Menschen gewinnen, die bereit sind, Leben zu retten.

Dabei machte die DKMS auch in Miltenberg Station und informierte die Schüler und Lehrer über das Thema Knochenmarkspende und über die konkreten Möglichkeiten, einen Beitrag zum „Kampf gegen Blutkrebs“ zu leisten. Gerichtet war die Aktion primär an den Abiturjahrgang, denn das Mindestalter für die Registrierung beträgt 17 Jahre.

Leukämiezellen unter dem Mikroskop
Leukämiezellen unter dem Mikroskop

Was genau ist eigentlich Blutkrebs?

Die Bezeichnung „Krebs“ mag vielleicht die ein oder andere falsche Vorstellung hervorrufen, handelt es sich bei dieser Erkrankung doch nicht um eine wie vielleicht anzunehmende Tumorerkrankung, sondern vielmehr um eine Störung des blutbildenden Systems. Konkret ist hierbei die Bildung der Blutkörperchen betroffen. Die Krankheit kann dabei auf verschiedene Arten in Erscheinung treten. An dieser Stelle ein kurzer Einblick in das blutbildende System des Menschen: Die Erythrozyten, Thrombozyten und Leukozyten, welche im Volksmund als Blutkörperchen bezeichnet werden, werden im Knochenmark gebildet. Nachdem sie in den Blutkreislauf übergegangen sind, nehmen sie dort verschiedene Aufgaben wahr. Während die Erythrozyten primär für den Sauerstofftransport zuständig sind, gelten die Thrombozyten als wichtige Mitglieder des körpereigenen Wundverschluss- und Gerinnungssystems, die Leukozyten hingegen nehmen einen wichtigen Stellenwert bei der Infektabwehr ein, wodurch sie unerlässliche Bestandteile des Immunsystems sind. Bei einem an Blutkrebs erkrankten Menschen ist das gesamte System der Blutzellenbildung gestört. Wie genau diese Störung auftritt, kann variieren. Häufig werden ausschließlich weiße Blutkörperchen oder fehlerhafte Zellen gebildet, wodurch es dazu kommen kann, dass sich die einzelnen Bestandteile gegenseitig angreifen oder ihre eigentliche Aufgabe nicht mehr wahrnehmen können. Dies kann gerade im Bereich der Immunabwehr gravierende Folgen haben.

Wie kann Erkrankten geholfen werden?

Die klassische Therapie besteht darin, mittels Chemo- oder Strahlentherapie eine Besserung zu erreichen. Zwar stehen die Erfolgschancen besser als bei anderen vergleichbar schweren Krankheiten, doch bietet diese Variante oft keine endgültige Heilung. Denn im Gegensatz zu anderen Krebserkrankungen wie beispielsweise Tumoren ist Blutkrebs komplett heilbar. Die DKMS sieht sich hierbei als wesentlicher Förderer der Stammzellenspende. Dabei werden die erkrankten Zellen durch die des Spenders ersetzt. Und hier kommen die Schüler und Lehrer, aber auch jeder Mensch mit einem Alter zwischen 17 und 55 Jahren ins Spiel: Zwar können bis zu ein Drittel aller Erkrankten eine Spende aus ihrem familiären Umfeld annehmen, doch es bleibt ein großer Rest, der auf fremde Hilfe angewiesen ist. Dabei stellt die Knochenmarkspende die einzige Möglichkeit für einen Erkrankten dar, wieder vollständig geheilt zu werden.

Wie genau läuft eine solche Spende ab?

Bei der Behandlung des Blutkrebs werden die Stammzellen des Erkrankten während der Chemotherapie zu großen Teilen entfernt. Daher ist der Körper nun bereit, neue Stammzellen aufzunehmen. Derartige Zellen befinden sich unter anderem im Knochenmark, wodurch eine zuvor existente Störung im System der Blutbildung behoben werden kann. Stammzellen bieten den Vorteil, dass sie sich sehr schnell vermehren können und somit weder für den Spender noch für den Empfänger die Gefahr besteht, bei der Übertragung der Zellen ebendiese zu verlieren. In 95% aller Fälle werden die Zellen mittels Dialyse gewonnen. Der Spender erhält hierbei zwei sogenannte Zugänge, über die das Blut zuerst zu einer Filteranlage, welche die Stammzellen dem Blut entnimmt, und schließlich wieder zurück in den Körper geleitet wird. Der Spender nimmt zuvor ein Medikament ein, welches für eine Vermehrung dieser Zellen sorgt, damit die Spende ohne Probleme vollzogen werden kann. Einzige Nebenwirkung dabei kann ein leichtes Krankheitsgefühl während der Phase der Vermehrung sein. Eine andere Methode wurde bei Christian Gehrig aus Umpfenbach angewendet, welcher die Schüler, Lehrer und Eltern über seine Erfahrungen mit der DKMS informierte. Die Umstände machten es nötig, dass bei ihm die Stammzellen chirurgisch entnommen werden mussten. Dabei erfolgt unter Vollnarkose eine Punktion des Beckenkamms und daraufhin eine Entnahme der Zellen. Abgesehen von dem Risiko, dass eine Vollnarkose stets mit sich bringt sind keine Komplikationen bei der Operation zu erwarten. Die Kosten für einen eventuellen Krankenhausaufenthalt sowie für die Behandlung werden voll von der DKMS übernommen.

DKMS 40.000. Stammzellenspender in der Mediapark-Klinik in Köln.
Der 40.000 Spender der DKMS

Wie erfolgreich kann eine solche Spende sein?

Generell geht die DKMS von einer Erfolgsquote bis zu 50% aus. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, so beispielsweise der Zeitpunkt, zu dem die Erkrankung diagnostiziert wurde, aber auch der allgemeine Zustand des Patienten wie die körperliche Fitness und andere Vorerkrankungen. Zu Beginn des Vortrags wurde in einem kurzen Film die mittlerweile 11-jährige Michelle vorgestellt, welche im Kindergartenalter eine niederschmetternde Diagnose erhalten hat: Blutkrebs. Doch sie gab nicht auf und konnte schließlich mit Hilfe eines Spenders aus der Liste der DKMS den Kampf gegen die heimtückische Krankheit gewinnen und lebt heute nahezu beschwerdefrei.

Muss ich mir als Spender um meine persönlichen Daten Sorgen machen?

Zwar werden die bei der Typisierung gewonnen Daten bei der DKMS gespeichert, doch erfolgt dies lediglich als anonymisierte Nummer, welche erst dann, wenn durch Übereinstimmung der Gewebemerkmale eine Spende in Frage kommt, entschlüsselt wird und somit die Kontaktdaten des Spenders erscheinen. Auch der Name des Empfängers unterliegt der Geheimhaltung für mindestens zwei Jahre, erst dann kann auf Wunsch dessen ein persönlicher Kontakt zu seinem Lebensretter aufgenommen werden.

Wie kann ich die DKMS unterstützen?

Der einfachste Weg, um die Arbeit der DKMS zu fördern, besteht darin, sich selbst in die Datei aufnehmen zu lassen und bei Bedarf als Spender zur Verfügung zu stehen. Die Typisierung ist sogar bequem von zuhause aus möglich, die nötigen Utensilien für den Wangenabstrich werden kostenfrei versandt. Auch ein finanzieller Beitrag ist herzlich willkommen, denn als gemeinnützige Organisation hat die DKMS wenig Möglichkeiten, Einnahmen zu generieren. Jeder im Alter zwischen 17 und 55 Jahren kommt als Lebensretter in Frage – und die Registrierung dauert gerade einmal fünf Minuten: Fragebogen ausfüllen, zwei Wangenabstriche entnehmen und abschicken – so einfach war Leben retten wohl noch nie.